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Monatsgedanken

„Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen.
Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.“ (Johannes 20,18).

Sehen und glauben - da können Welten dazwischen liegen. Maria stand draußen vor dem Grab Jesu. So beginnt das Bibelwort, aus dem der Monatsspruch für den April entnommen wurde. Davor Berichte über Jesu Gefangennahme und Verhöre. Er wird gefoltert, verspottet und schließlich verurteilt. Das Urteil stand schon vor dem kurzen Prozess fest: Tod durch Kreuzigung. Es ist nicht zu fassen! Ein unschuldiger Mensch wird geopfert, weil er das Machtgefüge der Welt infrage gestellt hatte. Weil er die Gerechtigkeit und den Frieden Gottes auf der Erde bezeugt und gelebt hat? Wo sind die, die ihm nachfolgten, die von ihm gesund gemacht wurden, die durch ihn wieder zum Leben gefunden hatten? Sie sind weg! Verängstigt verstecken sie sich hinter dicken Mauern, auf dass ihnen ja nichts passiert und sie nicht in Sippenhaft genommen werden. Nur Maria von Magdala wagt sich am Ostermorgen raus zum Grab Jesu. Sie trauert um ihren Herrn. Angesprochen von zwei Engeln, warum sie weint, beklagt sie das leere Grab und vermutet, dass man den Leichnam Jesu weggenommen hatte. Dann wendet sie sich um, sieht Jesus stehen und erkennt ihn nicht. Das verwundert, denn Maria von Magdala war eine treue Jüngerin Jesu. Warum erkennt sie ihn nicht, jetzt, wo er vor ihr steht?
Sehen und glauben – da können Welten dazwischen sein. Etwas mit den Sinnen wahrnehmen und das auch für wahr halten und glauben ist zweierlei. Die Bilder der letzten Tage sind von mächtiger Wirkkraft. Jesu Tod, sein Ende und die Dunkelheit der Trauer haben sie im Griff. Erst als der auferstandene Jesus sie direkt mit ihrem Namen anspricht: „Maria!“, erkennt sie Jesus, ihren Herrn. Ihren Impuls, den Meister zu berühren, wehrt Jesus ab: Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Jesus beauftragt Maria zu den Jüngern zu gehen und zu erzählen, was sie gesehen und erfahren hat. Jesus lebt. Er ist auferstanden! Das Licht der Auferstehung durchflutet alles Sterben, alle Tode der Welt und alle Dunkelheit. Mögen wir aus der Kraft der Auferstehung leben, neuen Mut fassen und für wahr halten: Christus lebt. Gottes Sohn stieg mit seinem Tod hinab in die tiefste Dunkelheit und Gottesferne und zieht alles mit der Kraft seiner Auferstehung empor zum Leben, zum Licht und zum Frieden. Ich wünsche Ihnen allen von Herzen die Kraft der Auferstehung: „Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ (Röm 6, 3f) So lasst uns wandeln im neuen Leben, im Osterlicht und sehen, hören, schmecken, fühlen und davon berichten: Christus lebt!
Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja!

 

Gesegnete Ostern
Ihre Pfarrerin A. Friedrich-Berenbruch