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Monatsgedanken

Das Buch „Unverfügbarkeit“ von Hartmut Rosa hat meine Sicht auf die Welt verändert. Kerngedanke ist, dass wir als Gesellschaft versuchen,  das Leben berechenbar zu machen. Wir teilen unsere Zeit ein und füllen sie mit Dingen und Aktionen, wir sichern uns gegen jedwedes Unglück  ab, selbst das Sterben wollen wir nicht mehr dem Zufall überlassen. Kurzum, wir versuchen, das Leben verfügbar zu machen. Und alles Ungeplante, das passiert und uns aufhält, ist ein Störfaktor. Für so etwas haben wir keine Zeit. Und so stresst uns schon das Warten in der Warteschlange und für das Gespräch mit dem Nachbarn haben wir keine Zeit, weil wir gleich losmüssen. Wir können uns nicht mehr auf das Leben einlassen, weil wir einen genauen Plan haben, wie es sein und laufen soll. Dabei missachten wir den Umstand, dass wir unsere  Umwelt, unser Leben nicht verfügbar machen können. Die Griechen unterscheiden zwischen chronos und kairos. Chronos ist die messbare  Zeit. Die Zeit, der wir uns Tag für Tag unterwerfen. Kairos ist der günstige, der zu ergreifende Augenblick. Kennen wir den günstigen  Augenblick? Können wir warten auf den günstigen Augenblick? Bemerken wir in all unserem geschäftigen Tun überhaupt den günstigen  Augenblick? Schon der Prediger Salomo wusste: „Ein jegliches hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; weinen hat seine  Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit.“ (Prediger 3, 1-4) Die Zeit ist da. An uns liegt es, den günstigen  Augenblick zu erfassen.

Debora Zschucke

 

 

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