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Monatsgedanken

Ein Mann stürzte von einer Klippe einen Abhang hinunter. Im letzten Moment konnte er sich während des Fallens an einem Zweig festhalten. Dort hing er nun zitternd über der Schlucht. Voller Angst betrachtete er den winzigen Zweig – und spürte zugleich, wie seine Kräfte nachließen. In seiner Todesangst schrie er zu Gott. „Gott, wenn es dich gibt, rette mich… und ich will auch an dich glauben!“ Da hörte er eine mächtige Stimme durch die Schlucht dröhnen: „Das sagen alle Menschen, wenn sie in großer Not sind.“ „Nein, nein“, rief der Mann, „ich bin nicht wie die anderen. Ich will wirklich an dich glauben; hilf mir doch bitte!“ „Gut, ich werde dich retten“, ertönte die Stimme. „Lass den Zweig los und ich werde dich sicher auffangen!“ „Den Zweig loslassen? Bin ich verrückt?“, schrie der verzweifelte Mann. Diese Geschichte von Cornelia Haverkamp liest sich wie ein Kommentar zur diesjährigen Jahreslosung aus dem Markusevangelium. Ein Vater hat einen todkranken Sohn und wendet sich in seiner größten Not an Jesus. Jeden Strohhalm hatte er ergriffen, der Halt geben könnte, jeden Arzt aufgesucht, der Hoffnung auf Heilung versprach, aber alles ohne Erfolg. Wir können die Verzweiflung des Vaters verstehen, haben sie selbst schon am eigenen Leib gespürt und wissen keine Antwort auf die Frage nach dem Warum? Gott, warum ich? Jetzt, nach allen vergeblichen Versuchen von Hilfe oder Heilung, steht der Vater vor Jesus. Mit leeren Händen steht er da. „Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt“, sagt Jesus. „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“, bekennt der Vater hilfeschreiend. Nichts ist mehr da, was ihm immer Sicherheit und Erkenntnis gab. Mit seinem Schrei wirft der Vater alles Vertrauen auf Jesus Christus und wagt den Sprung über seinen Unglauben hinaus. Er vertraut darauf, dass Jesus ihn auffängt, dass er seinen Lebensweg weitergehen kann, auch wenn er selbst das Ziel nicht sieht. Wagen wir mit dem Vater an Christus unseren Retter zu glauben und da und dort auch haltversprechende Zweige loszulassen. Gute Erfahrungen und Überraschungen dabei wünscht Ihnen allen 

Ihre Pfarrerin Annegret Friedrich-Berenbruch