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Monatsgedanken

Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend – gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben! (Tobit 4,8)

Große Tische mit auserlesenen Speisen gedeckt, herrlich dekoriert und mit schönen Lüstern ins richtige Licht gerückt. Alles ist vorbereitet. Es kommen auserlesene Gäste in berauschender Garderobe und sie picken sich figurbewusst da ein Träubchen und dort ein kleines delikates französisches Käsestückchen vom Büfett. Bei solch großer Auswahl weiß man sich gar nicht zu entscheiden! Wer die Wahl hat, hat die Qual! Eine primitive Feuerstelle und darauf ein kleiner verbeulter Topf. Ganz genau muss man hinschauen, um das Wenige im Topf zu entdecken. Es sind ein paar Getreidekörner, die kochen sollen und eine große Familie ernähren müssen. Es ist die einzige Nahrung an diesem Tag. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel! Überfluss und Mangel, wir kennen diese Bilder.

Einerseits überbordender Luxus, der sich eitel gebärdet, andererseits furchtbare Armut, die ohnmächtig und sprachlos macht und tötet. Der Monatsspruch für Oktober aus dem Buch Tobit setzt ruhestörende Worte gegen Bilder und Fakten, an die sich unsere Augen und Gemüter gewöhnt haben. Wir können und müssen etwas tun gegen Hunger und Armut in der Welt und auch ganz konkret da, wo wir leben, wenn wir von unseren reichen Tischen gern abzugeben lernen und erkennen, dass wir alle zur Schöpfungsgemeinschaft Gottes gehören.

Im Herbst ist Erntezeit. Wie im vorigen Jahr erleben wir nach langen, trockenen Wochen, dass die Ernte gering ausfällt und viele Einbußen hinzunehmen sind. Die Gärten und Felder sind ausgezehrt. Ein Blick zu den Obstbäumen in unseren Gärten führt das vor Augen. Denken wir noch daran, wenn wir uns das nächste Mal den Einkaufswagen im Supermarkt vollladen? Wir alle sind Teil der einen Schöpfungsgemeinschaft. Unser Auftrag ist es, diese gottgewollte Schöpfung mit unseren Mitteln zu pflegen und zu bewahren. Das heißt auch die Grenzen des Machbaren zu akzeptieren! Und das bedeutet endlich Abschied zu nehmen von Prinzipien wie schneller, höher, weiter und mehr - es wird höchste Zeit! Gut und heilsam ist es, wenn wir endlich damit anfangen und uns füreinander stark machen im Kleinen unseres Lebensbereiches wie im Großen der Weltgemeinschaft und üben, aus unserem Reichtum schöpfend miteinander zu teilen! Weniger ist mehr!

Herzliche  Grüße Ihre Pfarrerin A. Friedrich-Berenbruch