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Monatsgedanken

Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Johannes 20,21

Da hocken sie nun, die Freunde Jesu. Dicht verschlossen und verriegelt sind die Türen. Nur die Angst vor dem was außerhalb des Raumes ist, hält sie zusammen. Ihre Mitte ist leer. Das, was sie in den letzten Jahren zusammengehalten hatte, ist nicht mehr. Der Tod Jesu hat sie von ihrem Freund und Lehrer getrennt. Sie riegeln sich ab gegen den Streit und gegen die Unruhe, die es mit sich bringt, mit dem Unruhestifter Jesus bekannt zu sein – deshalb die verschlossenen Türen. Angst lähmt sie, Angst vor Nachstellungen, Angst wie Jesus sterben zu müssen. Ihr Herz ist in tiefer Trauer und der Erfahrung, verlassen worden zu sein. Da ist nichts, was aus der gemeinsamen Vergangenheit in die Zukunft trägt – so greifen Angst und Einsamkeit nach ihnen. Die Angst malt das Draußen übergroß und bedrohlich, weil drinnen – in der Mitte – nichts, was Halt und Widerstand gäbe, mehr existiert.

Aber da geschieht das: Jesus kommt und tritt in ihre leere Mitte. Er geht durch die verriegelnden Türen der Angst hindurch – Er, der von sich sagt: Ich bin die Tür. – Er öffnet den Raum: Friede sei mit euch! Das ist eine heilsame Botschaft für aufgewühlte Seelen und für von Angst zugeschnürten Herzen. »Friede sei mit euch«. Darauf kann man sich verlassen. Die Jünger hatten noch Grund, ihre Türen zu verrammeln. Wir dagegen haben oft »verrammelte« Köpfe. Das ist noch schlimmer und dafür gibt es seit Ostern und Pfingsten überhaupt keinen Grund mehr. Wir dürfen Menschen mit offenen Herzen und weitem Horizont sein. Menschen mit weitem Horizont sind gelassene und erwartungsvolle Menschen. »Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch«. Hinaus ins Leben, vorwärts schauen, Neues wahrnehmen, sich auf andere freuen und so den Menschen zum Glauben helfen und dabei den eigenen Glauben stärken, das ist die Botschaft der Osterzeit und darüber hinaus. Möge es in unseren Gemeinden Wirklichkeit werden.

Ihr Pfarrer Stephan Grötzsch