Schriftgröße: normal groß größer
 

Monatsgedanken

Licht scheint in die Dunkelheit

Als ich mich vorhin hinsetzte, um diese Andacht zu schreiben, hatte ich viele Ideen. Da war: Advent, Licht, Dunkelheit, Weihnachten, der Stern, …, auch Lieder, wie »Mache dich auf und werde Licht« oder »Wir sagen euch an den lieben Advent …« und Bibelstellen dazu, fielen mir sofort ein, wie – »Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein helles Licht …« (Jesaja 9,1) oder »Licht macht ihre Dunkelheit hell …« (Lukas 2,9) und noch einige mehr. Ja, Ideen hatte ich viele, doch was sollte ich für die Andacht nehmen? Die Entscheidung fiel mir schwer und lähmte mich geradezu. Da klingelte mein Telefon. Meine Enkelin (2 Jahre) hörte ich mit ihrem zarten Stimmchen durchs Telefon: »Oma, wann basteln wir Kerzen? Draußen ist es dunkel.« Stimmt, als ich in den Herbstferien dort war, musste ich es versprechen: Wenn es draußen dunkel ist, basteln wir Kerzen. Meine Enkelin mag das kleine flackernde Licht. Jetzt wusste ich, worüber ich schreiben werde, denn auch in der Kinderkirche fragten die Kinder danach. Jetzt fiel mir im richtigen Moment folgende Geschichte ein, die mir einmal erzählt wurde: Vom Baumwollfaden und dem Wachsklümpchen.

Es war einmal ein kleiner Baumwollfaden, der hatte Angst, dass es nicht reichen würde, so, wie er war: »für ein Schiffstau bin ich viel zu schwach«, dachte er, »und für einen Pullover bin ich viel zu kurz. An andere möchte ich mich nicht anknüpfen, dazu habe ich zu viele Hemmungen. Auch für eine Stickerei bin ich zu farblos und blass. Ja, wenn ich glitzern würde, dann könnte ich ein Tuch oder ein Kleid schmücken. Aber so? Es reicht nicht! Was kann ich schon? Niemand will und braucht mich! Niemand mag mich – und ich mich selbst am aller  wenigsten!« Das sprach der kleine Baumwollfaden so vor sich hin, legte eine traurige Musik auf und fühlte sich ganz matt in seinem Selbstmitleid. Da klopfte es an der Tür. Ein kleines Wachsklümpchen war es und sprach: »Lass dich doch nicht so hängen, Du Baumwollfaden. Ich hab da so ne Idee: Wir beide tun uns zusammen. Für eine Große Kerze reichen wir nicht, aber für ein Teelicht sind wir gerade richtig. Es ist doch viel besser, ein kleines Licht anzuzünden, als immer nur über die Dunkelheit zu jammern!« Da war der kleine Baumwollfaden ganz glücklich, tat sich mit dem Wachsklümpchen zusammen und sagte: »Nun hat mein Dasein doch einen Sinn!« Und wer weiß, vielleicht gibt es in der Welt noch mehr kurze Baumwollfäden und kleine Wachsklümpchen, die sich zusammentun könnten, um der Welt zu leuchten.

Auch auf uns bezogen, wenn wir uns auf den Weg machen und gerade in dieser Zeit einsame, kranke oder traurige Menschen besuchen, bringen wir auch Licht in die Dunkelheit. Wächst die Vorfreude auf Advent und Weihnachten und Hoffnung kehrt ein. In diesem Sinne wünsche ich allen ein friedliches Weihnachten und einen guten Start in ein gesegnetes Jahr 2018.

Heidi Schorch, Gemeindepädagogin