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Monatsgedanken

Haben Sie einen Lieblingsvers aus der Weihnachtsgeschichte? Meiner heißt: „Maria behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen“ (Lukas 2, 19). Es sind wohl zunächst die Erzählungen der Hirten von ihren Erlebnissen mit den Engeln auf den Feldern. Einfache Worte, die sie von diesen ungebildeten Leuten hörte. Aber die haben sie gewiss an die Begegnung mit dem Engel erinnert, der ihr die Geburt Jesu angekündigt hatte (Lk 1,30ff.), und an die Worte der schwangeren Elisabeth, als sie während ihrer eigenen Schwangerschaft bei ihr war (Lk 1,41ff.). Es sind Worte der Verheißung und des Glaubens: „Fürchtet Euch nicht! … denn euch ist der Heiland geboren.“

Was aber bewegt unsere Herzen zum Weihnachtsfest 2019? Das sind sicherlich ganz verschiedene Dinge: Hält unsere gesellschaftliche Demokratie allen derzeitigen Zerreißproben stand? Werden unsere sozialen Sicherheitssysteme auch in 30 Jahren noch Bestand haben? Können unsere Kinder mit ihren Familien in Frieden leben? Oder wie geht es mit unseren  Gemeinden, unserer Landeskirche weiter?

Mein Herz wird u. a. von der Frage bewegt, wie Menschen zum Glauben kommen und ihren Glauben bewahren können. Denn davon ist abhängig, wie unser Herz mit den anderen Problemen umgehen kann, die auf es einstürmen. Maria versucht, die menschliche Sicht auf die Dinge mit der göttlichen Sicht zusammen zu bringen. Sie versucht zu verstehen, warum ausgerechnet sie ein Kind zur Welt bringt, das von Gott dazu ausersehen ist, die Schuld aller Menschen zu tragen und allen Menschen Erlösung zu bringen. Wahrscheinlich bleiben ihr viele Fragen. Aber sicherlich empfindet sie auch Glück, wie in ihrem Dankgebet: „Meine Seele erhebt den Herrn…, denn er hat große Dinge an mir getan“ (Lk 1,46.49)

Vielleicht könnte das auch Ihr Satz sein, Ihre Botschaft, die Sie persönlich aus dem Weihnachtsgeschehen mitnehmen und in Ihrem Herzen bewegen? Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit,

Ihr Pfarrer Stephan Grötzsch